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Mögliche Ursachen – Warum leide ich unter Verstopfung?

Für eine Verstopfung gibt es eine Vielzahl an möglichen Ursachen, die individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Die Verdauung ist ein Wunderwerk der Natur, das uns Menschen erst überlebensfähig macht. Denn durch die Nahrungsaufnahme und anschließende Verwertung erhält der Körper alle essentiellen Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette sowie Vitamine und Mineralstoffe, die wir zum Atmen, Denken und Bewegen brauchen.

Die Verdauung findet im Magen-Darm-Trakt statt. Die in der aufgenommenen Nahrung enthaltenen Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße werden im Zuge des Verdauungsprozesses von Verdauungsenzymen aufgespalten. Daraus gewinnt der Körper Energie und Substanz für den Aufbau der eigenen Zellstruktur.

Die Zeit, welche für den Verdauungsprozess von der Nahrungsaufnahme bis zum Ausscheiden des Stuhls benötigt wird, kann sich von Person zu Person unterscheiden und liegt im Normalfall zwischen zwölf Stunden und fünf Tagen. Bei diesem schwierigen und durchaus langwierigen Prozess ist es kein Wunder, wenn es auch mal zu Problemen führen kann und Verdauungsprobleme bis hin zur Verstopfungen auftreten. Außerdem gibt es zahlreiche Einflussfaktoren. In den meisten Fällen ist der Verstopfung gar keine Ursache zuzuordnen.

Häufige Ursachen einer Verstopfung

Reisen – Die wohl angenehmste Verstopfungsursache

Sie reisen gerne? Großartig! Genießen Sie all die neuen Erfahrungen und lassen Sie sich inspirieren. Behalten Sie aber im Hinterkopf, dass eine neue Umgebung sich auch auf Ihre Verdauung auswirken kann. Die meisten Beschwerden im Urlaub betreffen den Magen-Darm Trakt. Sind Aufregung und Hektik der Anreise vorbei, fällt der ganze Stress von einem ab. Der Adrenalinspiegel sinkt und es scheint, dass sich auch unser Immunsystem eine kleine Pause gönnt. Ein Fehler, wie sich häufig zeigt. Ausgerechnet jetzt macht sich der Körper angreifbar für Krankheitserreger. Anders zubereitete Speisen, neue Tagesabläufe und fremde Toiletten fordern das körpereigene Abwehrsystem geradezu heraus. Die Folge: Der Bauch kann mit schmerzhaften Krämpfen reagieren, die Verdauung kann aus dem Takt geraten. Die Bandbreite der typischen Verdauungsbeschwerden reicht von Verstopfung über Bauchschmerzen und -krämpfe bis hin zu akuten Durchfällen und verhagelt laut DAK jedem dritten Deutschen die wohlverdienten Urlaubsfreuden.

Verstopfung durch Stress

Unser Verdauungssystem ist mit einem Netz aus fein verzweigten Nervenzellen durchzogen – dem sogenannten Bauchhirn – mit einer engen Verbindung zum Gehirn. Gefühlslagen können sich deswegen direkt auf den Magen-Darm-Trakt auswirken. Manche Menschen reagieren dann z.B. mit Verstopfung oder anderen Verdauungsproblemen. Wie lässt sich Stress am besten bewältigen? Wie sollte man sich in stressigen Phasen am besten verhalten? Es gilt, die inneren und äußeren Ursachen zu analysieren. Entsteht der Stress tatsächlich nur durch äußere Anforderungen? Sind persönliche Stressverstärker mit im Spiel? Ziel ist es, die richtige Balance zwischen den Anforderungen und dem Raum für Entspannung zu finden. Klar muss sein: Was dem einen dabei hilft, Stress gut zu bewältigen, muss für den anderen nicht automatisch auch der beste Weg sein. Da die Ursachen von Stress immer mit der ganz persönlichen Lebenssituation und -geschichte zu tun haben, ist auch der persönlich beste Weg zum Stressmanagement immer sehr individuell.

Hormonschwankungen als Ursache einer Verstopfung

Frauen sind zwei - bis dreimal so oft von einer unregelmäßigen Verdauung betroffen wie Männer. Eine entscheidende Rolle spielen hierbei vermutlich die weiblichen Hormone: Sie können während der Menstruation, der Wechsel jahre und ganz besonders in der Schwangerschaft und Stillzeit Einfluss auf die Darmtätigkeit nehmen. Mehr dazu finden Sie unter „Verstopfung bei Frauen".

Verstopfung als Nebenwirkung von Medikamenten

Verstopfung kann auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen sein. Denn bestimmte Wirkstoffe können alleine oder in Kombination mit anderen Präparaten hemmend auf das Verdauungssystem wirken. Einige Medikamente zur Behandlung der folgenden Symptome/Erkrankungen gehören dazu:

  • Depressionen
  • Eisenmangel
  • Epilipsie
  • Herzkrankheiten
  • Parkinson
  • Schmerzen (Opiate)

Wenn Sie wegen einer dieser Krankheiten in Behandlung sind und zu allem Überfluss auch noch unter Verstopfung leiden, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob das Präparat durch ein anderes ausgetauscht werden kann. Ist dies nicht möglich, besprechen Sie mit dem Arzt, welches gut verträgliche Abführmittel für Sie in Frage kommt. Wenn dem so ist, klären Sie mit Ihrem Einige Abführmittel (z.B. Dulcolax® Dragées) können nach ärztlicher Verordnung auch langfristig angewendet werden und so die lästige Begleiterscheinung Verstopfung eindämmen.

Verdauung im Ruhestand - Verstopfung durch zunehmendes Alter

Wie einiges andere wird auch die Verdauung im Alter etwas langsamer. Denn der Darm ist ein Muskel und verliert mit den Jahren an Kraft. Das ist per se kein Problem. Hierzu hilft es zu wissen: Man muss nicht jeden Tag auf Toilette können. Ein Stuhlgang zwischen dreimal täglich und dreimal pro Woche wird als eine normal funktionierende Verdauung eingestuft. Verstopfung gehört zu den am häufigsten genannten Beschwerden älterer Menschen. Die Hälfte der über 65-Jährigen verwendet Abführmittel und bis zu 75 Prozent der Älteren in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Eine Reihe von Ursachen wie Multimorbidität und Multimedikation, abnehmende geistige und körperliche Aktivität sowie eine ballaststoffarme Ernährung mit reduzierter Flüssigkeitsaufnahme spielen eine Rolle.

Die Verdauungsprobleme bei Älteren sind häufig auf Medikamente zurückzuführen. Die Statistik zeigt: Menschen zwischen 60 und 64 Jahren nehmen auf ärztliche Verordnung täglich im Schnitt zwei bis drei verschiedene Medikamente ein, bei den über 80-Jährigen sind es bereits vier bis fünf verschiedene Präparate. Am häufigsten sind Medikamente gegen chronische Erkrankungen und deren Auswirkungen. Bestimmte Wirkstoffe können alleine oder in Kombination mit anderen Präparaten hemmend auf das Verdauungssystem wirken. Die sowieso schon etwas langsamere Verdauung wird dadurch zusätzlich behindert. Die Folge: Verstopfung.

Neben den Medikamenten können in manchen Fällen auch chronische Erkrankungen den Darm lahmlegen und zu Verdauungsproblemen führen. Diese sind laut Robert Koch-Institut in der höheren Altersgruppe keine Seltenheit: Im Alter über 65 Jahren bestätigen mehr als die Hälfte der Befragten, an einer chronischen Erkrankung zu leiden. Und das kann Auswirkungen auf das Verdauungssystem haben. Dafür ist beispielsweise Diabetes mellitus bekannt, die „Zuckerkrankheit“: Bis zu 60 Prozent der Diabetes-Patienten leiden unter Verstopfung. Der Hintergrund: Manche Krankheitsbilder können zu Nervenschädigungen führen – der Darm kann dadurch nicht mehr richtig angesteuert werden und bewegt sich langsamer. Auch bei Parkinson und einigen anderen neurologischen Erkrankungen kann es zum Symptom Verstopfung kommen.

EXPERTENINTERVIEW

Erfahren Sie mehr über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Verstopfung im Experten-Videointerview mit Frau Dr. Viola Andresen, Oberärztin an der medizinischen Klinik des Isrealitischen Krankenhauses Hamburg.

Völlegefühl, aufgeblähter Bauch und keine Erleichterung in Sicht. Ist der Darm träge, leidet die Lebensqualität enorm. Tatsächlich ist Verstopfung jedoch keine Seltenheit, sondern ein regelrechtes Volksleiden: Mehr als fünfzehn Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, rund jeder 7. Unter einer Verstopfung versteht man eine Vielzahl von Symptomen. Wie die Betroffenen leiden und wodurch man ihnen am besten helfen kann, weiß Frau Dr. Viola Andresen, Oberärztin in der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg und treibende Kraft bei der Erstellung einer aktuellen Expertenempfehlung zur Behandlung von chronischer Verstopfung.

Dr. Andresen:

Die Verstopfung ist ein sehr häufiges Problem bei Menschen in Deutschland oder auch generell in der Welt. Das ist eine Erkrankung, die tatsächlich darauf beruht, dass die Patienten unterschiedliche Beschwerden haben, die mit dem Stuhlgang zusammen hängen. Früher hat man immer nur gesagt, Verstopfung ist eine seltene Stuhlentleerung, zum Beispiel nur ein bis zweimal pro Woche. Heute wissen wir, dass die meisten Menschen mit Verstopfung tatsächlich unter einer Vielzahl von unterschiedlichen Beschwerden leiden, sie müssen stark pressen beim Stuhlgang, sie haben Blähungen, Unwohlsein, sie verbringen oft Stunden auf der Toilette bis der Stuhlgang entleert ist. Oder am Ende das Tages noch nicht mal richtig entleert werden kann. Das Zusammenfallen dieser Beschwerden, das empfinden die Patienten als Verstopfung und das nennen wir heute auch Verstopfung.

Es gibt Situationen, in denen die Verdauung besonders leicht aus dem Takt gerät. Welche sind das?

Dr. Andresen:

Viele Menschen erleben eine Verstopfung im Rahmen von irgendwelchen Veränderungen der Lebensweisen, dazu gehören insbesondere Reisen. Die Reise an sich kann Verstopfungen auslösen, lange Flugreisen, lange Zugreisen wo man sich nicht viel bewegt. Aber natürlich auch die Umstellung der Ernährung, wenn man in fremde Länder reist, das ist etwas, was viele Menschen erleben, die sonst in ihrem Alltag nicht verstopft sind, die aber in diesen Situationen eine Verstopfung erleben. Und Patienten, die ohnehin schon unter Verstopfungen leiden, haben in diesen Phasen oft auch noch eine deutliche Verstärkung ihrer Beschwerden.

Verdauungsprobleme und insbesondere die Verstopfung gelten als typisch weibliches Thema. Es gibt aber auch noch andere Ursachen, die einen Stillstand im Darm begünstigen.

Dr. Andresen:

Wir wissen, dass die Verstopfung häufiger bei Frauen auftritt, warum das so ist, ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise spielen schon Hormone auch eine Rolle, wir wissen ja auch, dass Hormonschwankungen, Wechseljahre, aber auch normale Zyklusverläufe durchaus Einfluss auf die Darmtätigkeit haben. Was wir zudem wissen ist, dass eine Verstopfung häufiger wird, wenn Menschen älter werden

Betroffene leiden häufig ganz enorm – nicht nur unter den Verdauungsbeschwerden selbst, sondern auch unter den Vorurteilen, mit denen sie zu kämpfen haben.

Dr. Andresen:

Viele Menschen mit Verstopfungen leiden darunter, dass sie von ihrer Umwelt nicht ernstgenommen werden. Einerseits wird immer so getan, als sei das eine reine Befindlichkeitsstörung, die Menschen seien einfach fixiert darauf, wie oft sie ihren Stuhl entleeren können, und das könnte doch an sich gar keinen Krankheitswert haben. Andererseits wird auch vielfach gesagt, naja die Leute ernähren sich falsch, bewegen sich zu wenig und das bringt die Patienten dann oftmals in eine Art Schuldposition was dazu führt, dass sie am Ende gar nicht mehr darüber reden mögen und das ist sicherlich falsch. Wir wissen wie gesagt, dass der Obstipation, der Verstopfung, Störungen der Darmfunktion zugrunde liegen, dass die Patienten in der Regel nichts dafür können, auch durch Änderung ihrer Lebensweise die Verstopfung nicht beheben. Und sie leiden ja eben nicht gerade an der Anzahl der Stuhlgänge sondern eben an den Beschwerden, die diese Verstopfung verursacht wie beispielsweise; Blähungen, Völlegefühl, Bauchschmerzen, starkes Pressen und das sind natürlich schon Beschwerden, die wer’s einmal erlebt hat durchaus weiß, dass es einen Menschen sehr beeinträchtigen kann.

Mehr trinken, mehr bewegen, sich besser ernähren – Das sind die typischen Ratschläge, die Menschen erteilt werden, die unter einer Verstopfung leiden. Aber ganz so einfach ist das nicht, wie Frau Dr. Andresen weiß.

Dr. Andresen:

Die allermeisten Menschen haben einen völlig ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt, hier können wir mit Flüssigkeit beispielsweise gar nichts erreichen und auch Ballaststoffe und körperliche Bewegung sind bei Patienten mit einer ausgeprägten Verstopfung in aller Regel völlig wirkungslos.

In der Apotheke gibt es eine große Auswahl an wirksamen frei verkäuflichen Abführmitteln. Die beiden Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat beispielsweise dürfen laut Beipackzettel sogar während der Stillzeit eingenommen werden und werden von renommierten Experten empfohlen.

Dr. Andresen:

Es gibt verschiedene medikamentöse Behandlungsansätze, um eine Verstopfung zu behandeln. Letztendlich ist das Ziel natürlich immer, dass man den Darm in seiner Transportgeschwindigkeit anregt. Eine Methode ist beispielsweise, dass man dafür sorgt, dass der Darm vermehrt Flüssigkeit ausschüttet und sich dadurch der Darminhalt einfach vermehrt, und durch den Druck auf die Darmwand wird die Darmtätigkeit angeregt. Das ist eine wichtige Wirkweise beispielsweise der Medikamente Bisacodyl und Natriumpicosulfat, die eine Wassersekretion in den Darm anregen. Eine andere Möglichkeit wäre, durch wasserbindende Substanzen wie Macrogole, von vornherein die Flüssigkeit im Darminhalt zu binden.

Immer noch scheuen sich viele Menschen davor ein Abführmittel einzunehmen. Woran liegt das?

Dr. Andresen:

Abführmittel werden bei uns in der Bevölkerung und in der allgemeinen Wahrnehmung oftmals schlecht betrachtet. Man denkt, dass sie schädlich sind für den Darm, dass sie für den Patienten Folgen haben können, Folgeschäden, dass sie eine Abhängigkeit entwickeln, dass sie Gesundheitsstörungen am Darm zurückbehalten können. Diese Wahrnehmung beruft sich eigentlich auf keine wissenschaftlichen Daten, für die heute verfügbaren Abführmittel gilt das in aller Regel nicht nach unserer Erfahrung. Wenn man es einsetzt, um eine Verstopfung zu behandeln, um dann einen normalen Stuhlgang zu erhalten, sind keinerlei Gesundheitsrisiken zu befürchten, nach allem was wir heute wissen. Lediglich wenn man einen Missbrauch betreibt, das heißt einen übermäßigen Gebrauch dieser Abführmittel, sich Durchfälle verursacht, dann sind Risiken vorhanden.

Welchen Tipp haben Sie für Betroffene?

Dr. Andresen:

Es gibt wenig generelle Empfehlungen für Patienten mit Verstopfungen. Aber es gibt oftmals individuelle Dinge, wo Patienten für sich feststellen, wenn ich dieses oder jenes in meinem Leben irgendwie ändere, dann hilft mir das. Beispielsweise, wenn man sich bestimmte Rituale überlegt, dass man sich morgens genug Zeit nimmt, vielleicht mit einer Zeitung auf Toilette gehen, ganz komische Dinge vielleicht mal, bei dem einen oder anderen hilft das mal. Was auch eine Rolle spielen kann, ist das man versucht, einen regelmäßigen Rhythmus in die Stuhlentleerung zu bringen. Es gibt Berufssituationen, die dafür sorgen, dass man wenn man muss nicht immer gehen kann. Beispielsweise als Busfahrer kann man natürlich nicht einfach den Bus stehen lassen und einfach eine Toilette aufsuchen. Und wenn man häufig den Stuhlgang unterdrücken muss, kann das auch zu einer Verstopfung führen. Das heißt umgekehrt, wenn man es schafft, in seinem Leben genug Freiräume zu schaffen für die Stuhlentleerungen und einen regelmäßigen Rhythmus wieder herzustellen, dann kann das auch Patienten mit Verstopfungen manchmal helfen.


Neben diesen Tipps gilt: Grundsätzlich muss niemand eine Verstopfung einfach so hinnehmen. Es gibt gut verträgliche Medikamente, in verschiedenen Darreichungsformen, die für jeden die passende Lösung bieten und die ohne schlechtes Gewissen eingenommen werden können. Damit das Wohlbefinden schnell wieder hergestellt ist.

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